Celtica

 


Die Rezension ist in der April/Mai 2006-Ausgabe des Magazins Gelegenheitsspieler erschienen. Laden Sie die Ausgabe jetzt direkt kostenlos herunter.

Celtica – Auf der Suche nach den Amuletten

Rezension von Henry Krasemann

Verlag: Ravensburger
Autoren: Wolfgang Kramer & Michael Kiesling
Spieler: 2-5
Ab 10 Jahren
Spieldauer: ca. 30-45 Minuten
Preis: ca. 20 Euro
Erscheinungsjahr: 2006

Kelten ohne König
Der Posten des keltischen Königs ist vakant. Einzige Einstellungsvoraussetzung: möglichst viele Amulette mitbringen. Dank der bösen Wikinger sind diese jedoch in zahlreiche Einzelteile zerbrochen und recht weiträumig in Burgen, Klöstern und Dörfern verteilt. Des Königsanwärters Problem ist nicht nur, dass diese Teile gefunden werden müssen, auch die Wikinger sind weiterhin aktiv. Zum Glück ziehen gerade fünf wackere Druiden durch das dunkelgrüne Irland und helfen bei der Suche.

Ruinen, Fundorte und Kultplätze
Wegen einer grandiosen Vorgeschichte dürfte niemand das neue Ravensburger Spiel „Celtica“ erwerben. Schon eher wegen des in den verschiedensten Grüntönen gehaltenen fein detailliert ausgearbeiteten großen Spielfelds. Zentrale Figuren sind die fünf verschiedenfarbigen Holzdruiden. Das Besondere ist, dass sie keinem Spieler zugeordnet sind. Vielmehr darf jeder jeden Druiden mittels Spielkarten bewegen. Landet er dabei auf einem Fundort, erhält der ziehende Spieler Amulettteile aus einer Ablage. Neun verschiedenartige Amuletteile wiederum ergeben ein Amulett. Und wer am Ende die meisten vollständigen Amulette zusammengesetzt hat, wird Keltenkönig. Kommt der Druide jedoch auf einer Ruine zum Stehen, schlagen die Wikinger gnadenlos zu und nehmen einem Teile wieder ab. Und schließlich finden sich in Irland noch Erfahrungskarten, die Züge verlängern, und Kultplätze für zusätzliche Zugkarten.

Zieh, Druide!
Der Weg zum Erfolg bei „Celtica“ liegt im richtigen Timing seiner Spielzüge. Da alle Zugkarten in einer Runde ausgespielt werden müssen, kann es vorkommen, dass man plötzlich gar keine Wahl mehr hat, als auf die Ruinen mit den Amulettheischenden Wikingern zu ziehen. Wie bei dem einfachen „Verflixxt!“ (ebenfalls Ravensburger), das 2005 auf der Auswahlliste zum Spiel des Jahres stand, will eingeschätzt sein, was wohl jeweils die Mitspieler machen werden. Zu forsches Vorpreschen kann einem wichtige Amulettteile entgehen lassen. All zu banges Zögern hingegen verpflichtet plötzlich zu unangenehmen Zügen. Auch mag es sinnvoll sein, anfangs den einen oder anderen noch schwachen Wikinger in Kauf zu nehmen, um so zusätzliche Karten für den Schlussspurt zu erhalten.

Fazit HK:

Fazit: HK
Der Weg zum Keltenkönigdasein ist bei „Celtica“ nicht nur steinig, sondern vor allem auch durch viel Glück geprägt. Was bei „Verflixxt!“ der Würfelwurf ist, sind bei „Celtica“ die Zugkarten. So ist es nur sehr schwer einzuschätzen, welche dieser zufällig zugeteilten Karten wohl die Mitspieler noch auf der Hand haben. Dies gilt um so mehr, je mehr Spieler mitspielen. Bei zwei Spielern kann durchaus noch überlegt gespielt werden. Bei fünf Mitstreitern lässt sich eine richtige Strategie darauf nicht mehr aufbauen.
Die Suche nach den Amuletteilen bringt jedoch ein zusätzliches Element ins Spiel, das vom Glücksmoment etwas ablenkt. Auch die Regel, jeden der fünf Druiden ziehen zu dürfen, sofern man die passenden Zugkarten hat, erweitert die Möglichkeiten. Neben des schönen Spielbretts sind die einfachen Regeln und die recht kurze Spielzeit von unter einer Stunde für eine Partie ein großer Pluspunkt gerade für Gelegenheitsspieler.
Wer Schach liebt und Mensch-Ärgere-Dich-Nicht hasst, sollte einen weiten Bogen um „Celtica“ machen. „Celtica“ ist sicherlich kein Anwärter auf den Posten des Spiels des Jahres 2006. Wer keinen Wert auf durch und durch planbare Züge legt und einfach nur 45 Minuten nett spielen möchte, dem kann Celtica empfohlen werden. Ob einen das im 11. Jahrhundert auch zum Keltenkönig in Irland gemacht hätte, mag jedoch dahinstehen. (hk)

Wertung

Gesamtwertung: 3+ (befriedigend)
Gelegenheitsspielertauglichkeit: 2 (gut)