Krimi total

 


Der Duft des Mordes

Die Rezension ist in der April/Mai 2006-Ausgabe des Magazins Gelegenheitsspieler erschienen. Laden Sie die Ausgabe jetzt direkt kostenlos herunter.

Rezension von Henry Krasemann

Krimi total – Der Duft des Mordes

Verlag: JMcreative
Autor: Jörg Meissner
Personen: 8 oder 9
Ab 16 Jahre
Erscheinungsjahr: 2004
Preis: ca. 19 Euro
Erhältlich bei www.krimitotal.de

Ein Mord ist geschehen
Georg Sänger ist tot. Ermordet nach dem 75. Geburtstag seines Vaters, einem erfolgreichen Parfümfabrikanten. Als Täter können nur acht Personen in Frage kommen: sein Vater, seine Schwester, sein Anwalt, sein Sohn, seine Ehefrau, das Model, die Haushälterin oder der gute Freund aus Italien. Fast alle haben ein Motiv. Aber nur ein Inspektor ist da, den Fall zu klären.

Das völlig andere Gesellschaftsspiel
Was wie der Klappentext zu einem Agatha Christie-Roman klingt, ist der Anfang des Krimi-Rollenspiels „Der Duft des Mordes“ aus der Reihe „Krimi total“. Dabei handelt es sich wohl um das ungewöhnlichste Gesellschaftsspiel, das je für das Magazin Gelegenheitsspieler getestet wurde. Weder gibt es ein Spielbrett noch irgend welche Pöppel. Und wer bei Rollenspiel an Orks, Schlachten und Würfelorgien denkt, der liegt hier falsch. Gewürfelt wird nicht und das Opfer ist schon tot.
Die vorgegeben Rollen werden auf die acht Mitspieler verteilt. Hinzu kann noch der Inspektor kommen, so dass „Der Duft des Mordes“ mit maximal neun Personen gespielt wird. Zwar erwähnt die Anleitung die Möglichkeit, sich weitere Personen auszudenken. Diese wären jedoch nur Mitrater ohne eigene Rolle und kommen nicht als Täter In Frage. Damit fehlt bei diesen ein ganzes Stück des Reizes des Spiels. Auch dürfen es nicht weniger als acht Personen sein, da selbst den Gastgebern, sofern sie mitspielen, nicht bekannt ist, wer der Mörder war.
Jeder Spieler erhält im Vorwege einen ersten Umschlag, der ein paar grundlegende Informationen zur eigenen Rolle und dem Verhältnis zu den übrigen Spielern enthält. Vor allem ist dort auch schon vermerkt, ob man der Mörder ist, oder zumindest sein kann. Auf diese Weise kann man sich mental ein wenig auf die Figur einstellen und die Kleidung für den Abend wählen. Das Kostümieren hält sich bei dieser Episode von Krimi total in Grenzen, so dass auch Leute, die nicht aus dem Rheinland kommen, nicht abgeschreckt werden.

Rollenspielchen
Aufgabe ist es, den Spielabend über seine Rolle vor allem verbal zu verkörpern. Jeder versucht gleichzeitig von jedem im Gespräch so viel wie möglich an Hintergrundwissen herauszubekommen. Nur der Mörder darf dabei lügen. Alle anderen sind dazu verdammt, ehrlich Auskunft zu geben.
Schnell drehen sich so erfahrungsgemäß die Gespräche um die Liebschaften und Motive der anwesenden Protagonisten. Im weiteren Verlauf erhält jeder einen zweiten Umschlag mit zusätzlichen Informationen zu sich selbst, aber auch über Beobachtungen, die man in der Mordnacht gemacht hat. Auf diese Weise gibt es selbst über mehrere Stunden hinweg noch genügend Gesprächsthemen. Eine Gerüchterunde stiftet zusätzlich Verwirrung. Der Inspektor unterrichtet die Spieler regelmäßig über die neusten Ermittlungsergebnisse. Ein beiliegender Grundriss des Anwesens der Familie Sänger hilft, bestimmte mitgeteilte Ereignisse besser einordnen zu können. Und schließlich kann es für einzelne Spieler Sonderaufgaben geben, die sie geheim mitgeteilt bekommen.
Am Ende schreibt jeder auf, wen er meint als Mörder entlarvt zu haben und warum. Wer die meisten Stimmen erhalten hat, hat verloren. Bleibt der Mörder unentdeckt, ist er Gewinner. Und auch erfüllte Sonderaufgaben wirken sich positiv aus. An dieser eher vagen Definition, wer nun alles Gewinner oder Verlierer ist, zeigt sich schon, dass bei „Der Duft des Mordes“ eher der Weg das Ziel ist. Um so gespannter sind alle, wenn am Ende die vollständige Lösung verlesen wird.

Spannend bis zum Schluss
„Der Duft des Mordes“ kann von den selben Leuten nur ein einziges Mal gespielt werden. Danach ist die Lösung bekannt. Doch mit der richtigen Gruppe mit Lust zum Spielen einer Rolle und zum Rätseln wird man für vier Stunden wunderbar unterhalten. Besser gesagt: man unterhält sich wunderbar. Zentraler Punkt ist die Kommunikation zwischen den Personen und das Nachhaken bei Widersprüchen.
Einen besonderen Reiz machen Informationen aus, die mehrere Personen gleichzeitig betreffen. Ohne sich je abgesprochen zu haben, kann man sich konspirativ verhalten... oder auch gerade nicht.
Gegenseitigen Liebschaften sind in der Regel zunächst das spannendste Thema. Die genaue Rekonstruktion, wer nun wann wo und warum in der Tatnacht war, tritt dahinter etwas zurück.

Fazit HK

Hat man acht Spieler mit Hang zum Verstellen gefunden, ist ein außergewöhnlich lustiger und unvergesslicher Abend mit „Der Duft des Mordes“ fast garantiert. Da keine Vorkenntnisse oder Spielfähigkeiten verlangt werden, ist es auch ideal für Gelegenheitsspieler mit fünf Stunden Zeit.
Am besten verbindet man das Spiel zwischen den einzelnen Hinweisrunden mit einem mehrgängigen Essen. Ein zu langes Verweilen eines oder mehrerer Mitspieler in der Küche sollte jedoch vermieden werden, laufen diese doch Gefahr, wichtige Informationen zu verpassen, wenn der Rest der Gruppe sich im Eifer des Gefechts nicht zusammenreißen kann und weiterredet. Auf die eigentlich pflichtbewusste Hausdame Daniela sollte man sich dabei nicht zu sehr verlassen. Wenn auch dem Gedanken eines Dinnerabend zuwiderlaufend, könnte hier der Pizzabote für den Hauptgang die Alternative sein. Einige Besonderheiten bei den Rollenvorgaben sorgen für zusätzliche Unterhaltung. So kann angeraten werden, genügend zumindest alkoholisch aussehende Getränke im Haus zu haben.
Die Lösung ist so gestaltet, dass man feststellen muss, dass man durchaus hätte darauf kommen können, hätte man sich nicht von Nebensächlichkeiten ablenken lassen. Aber macht nicht genau das einen spannenden Krimi aus? (hk)

Wertung

Gesamtwertung (Schulnote von 1+ bis 6-): 1- (sehr gut)
Wertung für Gelegenheitsspieler (mit 5 Stunden Zeit am Stück): 1- (gut)