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Rezension erschienen in dem kostenlosen PDF-Magazin Gelegenheitsspieler.
Wer Polarity auspackt (unter-den-Arm-geklemmt-dabei-haben reicht eigentlich schon) kann sich einer gewissen Grundaufmerksamkeit sicher sein. Selten genug erscheinen Spiele, die nicht die vierhundertste Inkarnation von Plättchen-legen-bauen-kaufen darstellen. Polarity besteht aus einem Baumwolltuch und 53 Magneten. Einer davon ist rot, die anderen haben je eine schwarze und eine weiße Seite. Der rote Stein kommt in die Mitte des Baumwolltuches, das als Spielfeld fungiert, die restlichen 52 Magnete werden verteilt (jeder 26) und dann geht's los:
Ziel des Spiels ist es (hier ist Polarity noch nicht sonderlich innovativ) alle Steine auf dem Feld zu platzieren, meint: loszuwerden. Da Magnete sich gegenseitig anzuziehen pflegen, kommt es hier früher oder später zu Problemen. Aber es geht nicht darum, die Steine einfach "hinzulegen", das wäre zu einfach. Stattdessen setzen beide Spieler zu Beginn je fünf Steine in ihrer Farbe aufs Feld. "Alle anderen" Steine müssen nun an diese Basen "angelehnt" werden.
Stellen wir uns vor, das hier _ sei eine Basis. Neue Steine sehen dann so aus: _ \ oder auch so: /_ Für die echten Helden uter uns: _\\ oder gar _\\\
Dieser Umstand hat zweierlei Folgen: Zum einen muss man selbst ziemlich üben, bis man seine Steine in dieser Position aufs Feld kriegt. Zum anderen wird das Setzen mit zunehmender Steindichte auf dem Feld immer schwieriger, denn die Position der angelehnten Steine ist alles andere als stabil, und schon ein unachtsam übers Feld gehaltener Spielsteim kann fatale Folgen haben. Spontan von der Anziehunskraft überwältigte Magnetsteine können sich mitunter zu Türmen aufstapeln, die dann vom Gegener beliebig auf dem Feld platziert werden dürfen. Für die meisten anderen Varianten der Interferenz hält die übersichtliche Spielregel Handlungsanweisungen bereit. Die englische Originalanleitung ist hier jedoch erstaunlicherweise noch deutlich detailierter und kann einige Zweifelsfälle ausräumen. Im Kern kann man sagen: Wer beim Einsetzen eines neuen Steins eigene Steine anzieht, muss diese zurück auf die Hand nehmen. Wer Steine des Gegeners beeinflusst oder gar anzieht, ermögicht dem Gegener einen Extrazug.
Polarity bezieht seinen Reiz einerseits aus der neuartigen Idee, Magnete konsequent als Spielsteine einzusetzen. Zum anderen ist das Spiel vor allem eine feinmotorische Herausforderung und schlägt so auf intelligente Weise die Brücke zwischen trocken abstraktem Strategiespiel und locker flockigem Geschicklichkeitsspiel. Die Platzierung der Steine und die Notwendigkeit, Räume abzustecken, erinnern entfernt an Go, der Geschicklichkeitsfaktor erreicht locker alte Klassiker wie Mikado oder Jenga. Und nicht zuletzt ist gerade der Nervenkitzel beim Einsetzen der Steine beachtlich. Durch die manchmal schwer vorhersagbaren Reaktionen der anderen Steine kann solche eine Aktion leicht zu absoluter Millimeterarbeit werden. Dass dabei auch der gerade passiv zuschauende Spieler gebannt die Luft anhält, spricht letztlich für das Spiel. Polarity ist in höchstem Maße unterhaltsam und kann in Sachen Spannung dem Freitagabend-Krimi locker das Wasser reichen. Homepage: http://www.polaritygame.de/
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