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Die Rezension ist in der April/Mai 2006-Ausgabe des Magazins Gelegenheitsspieler erschienen. Laden Sie die Ausgabe jetzt direkt kostenlos herunter.
Titel: Hellas Autor: Franz-Benno Delonge Verlag: Kosmos Spieler: 2 Spieler Spieldauer: 45-60 Minuten Altersgruppe: ab 12 Jahre
Rezension von: Christian Krause
Hellas Sonderangebote sind so eine Sache: Lauert da ein Superschnäppchen oder lässt man sich gerade einen Ladenhüter andrehen, der zum Vollpreis schon lange nicht mehr absetzbar ist? Das Spiel „Hellas“ von Franz-Benno Delonge ist so ein Zweifelsfall und momentan für fünf Euro in den Angebotslisten diverser Versender zu finden. Das Cover schreckt ein wenig ab, der Rest des Kartons in gewohnter Spiele-für-zwei-Größe hält auch keine relevanten Informationen bereit. „Gelegenheitsspieler“, das Fachblatt für gefährliche Rezensionen, hat sich unverdrossen ins Ungewisse gestürzt – und dabei Erstaunliches entdeckt.
Antikes Griechenland Die angegebene Spieldauer von einer knappen Stunde ist bereits erstaunlich für die Spiele-für-zwei-Reihe des Kosmos-Verlags. Die Anleitung kommt auf feisten acht Seiten daher und nährt den Verdacht, dass es sich hier nicht um eines der berüchtigten „Absackerspiele“ handelt. Das Spiel selbst besteht aus 24 Landschaftskärtchen (mal wieder sechseckig), 30 Plastikfiguren und Schiffe und 48 Sonderkarten, sog. „Götterkarten“. Womit wir auch schon bei der Geschichte wären. „Hellas“ spielt im antiken Griechenland, wo zwei Parteien um die Herrschaft einer Insellandschaft kämpfen. Und weil sie alle Griechen sind, holen sie sich bisweilen Hilfe bei typisch griechischen Gottheiten, nämlich Ares, Poseidon und Zeus.
Spielablauf: Entdecken und Erobern Zu Beginn legen beide Spieler abwechselnd ein Landschaftsplättchen an das Startfeld in der Mitte und platzieren eine eigene Figur und ein eigenes Schiff darauf. So entsteht die Anfangslandschaft aus neun Plättchen mit den zugehörigen Bewohnern. Im weiteren Verlauf hat der Spieler die Wahl:seine Truppen auf den Inseln zu verstärken bzw. Handkarten nachzuziehen,eine Seefahrt zu beginnen und dabei neue Landschaften zu entdecken oderden Gegner anzugreifen. Die Verstärkung erlaubt es, drei Einheiten ins Spiel oder Sonderkarten auf die Hand zu nehmen. So kann man z.B. zwei Griechen auf eine Insel setzen und eine Götterkarte „für später“ ziehen. Die Entdeckung bringt ein neues Landschaftsfeld ins Spiel, vorausgesetzt, man hat ein Schiff an passender Stelle und zieht ein Plättchen, das sich anlegen lässt. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, darf man gleich noch einen eigenen Griechen auf das Feld stellen. Der Angriff schließlich dient der Übernahme gegnerischer Städte. Dabei gilt es, in eine gegnerische Stadt mindestens so viele eigene wie gegnerische Griechen zu ziehen. Da man nur aus direkt benachbarten Städten angreifen darf, ist das Potential hier oft begrenzt, zumal normalerweise nie mehr als drei Griechen pro Stadt stationiert sein dürfen. Benachbart sind auch Städte, die durch Wasser getrennt sind. Hauptsache, sie liegen auf aneinander angrenzenden Plättchen. Wer aber über Wasser muss, braucht einen Griechen mehr. Gleichstand reicht dann nicht. Hat man es geschafft, genügend eigene Jungs in eine gegnerische Stadt zu ziehen, darf der Besiegte seine Figuren zurück in den Vorrat legen. Der Angreifer stellt nach Bedarf noch einige Truppen zurück in die Ursprungsstädte und der Angriff ist beendet.
Die Götter schlagen zurück Die eingangs bereits erwähnten Götterkarten können jederzeit im eigenen Zug gespielt werden (einige wenige auch im gegnerischen) und ermöglichen dem Spieler fantastische Dinge. Da dürfen zwei Städte nacheinander angegriffen, Schiffe versetzt und Truppen addiert werden. Poseidon lässt in einer Flutwelle die halbe Armee ertrinken und Zeus erlaubt es, dem Gegner eine Karte zu stibitzen. Da einige Karten auch als „Antwortkarten“ konzipiert sind, kann es durchaus zu einem kleineren Sonderkarten-Schlagabtausch kommen. Das ist in der Regel recht lustig und geht solange, bis einer keine passende Karte mehr spielen kann oder will. Besonders schön ist hier die „Ungültig-Karte“, die eine gespielte Gegnerkarte ungültig erklärt. Da diese mehrfach im Spiel ist, kann man durchaus die Ungültig-Karte des Gegners für ungültig erklären. Derlei Götterkarten-Gemetzel ist natürlich nicht wirklich planbar und das Spiel ist an dieser Stelle weniger strategisch als vielmehr sehr unterhaltsam.
Eine Partie Hellas endet, sobald ein Spieler zehn Städte besetzt hat. Diese Siegbedingung ist allerdings nicht ohne weiteres zu erreichen. Jeder Spieler besitzt neben seinen Schiffen nur 15 Griechen, so dass mit fortschreitender Expansion die Verteidigung der bestehenden Städte merklich dünner wird. So geht es also darum, durch das Entdecken neuer Landschaftsfelder möglichst gut abgeschirmte Inseln ins Spiel zu bringen, die der Gegner nicht ohne weiteres erreichen kann. An dieser Stelle ist eine Minimalbesatzung dann eher zu riskieren als an der direkten Nahtstelle zum Gegner. Wenn beide Spieler jedoch aufpassen und fleißig den Fortschritt des anderen verfolgen, kann die angegebene Spieldauer von 60 Minuten leicht überschreiten werden. Dann helfen nur noch die Götterkarten, da sie bei gleichstarken Spielern das entscheidende Glücksmoment einbringen. Da im Endspiel meist beide Spieler knapp vor der zehnten besetzten Stadt sind, kann allerdings auch eine übersehene Spielfigur das Zünglein an der Wage sein. Ist Hellas zu Beginn noch ein lockeres Entdeckerspiel, wird zum Ende hin knallhart an den Mehrheiten gewerkelt. Wer sich hier verzählt, kann nur noch auf die Hilfe der Götter hoffen.
Fazit Hellas ist also ein strategisches Spiel mit ausgeprägter Glückskomponente. Wenn man das weiß und damit leben kann, dann erwartet einen eine kurzweilige Eroberungstour im Mittelmeer, die durch die Götterkarten eine sehr spaßige Komponente enthält. Wer das nicht mag, lässt besser die Finger von Hellas, allen anderen sei der Kosmos Titel für zur Zeit fünf Euro unbedingt ans Herz gelegt. (ctk)
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