Linja

 


Die Rezension ist erschienen in der November/Dezember 2006-Ausgabe des Magazins Gelegenheitsspieler. Laden Sie die aktuelle Ausgabe jetzt direkt kostenlos herunter.

Autor: Steffen Mühlhäuser
Verlag: Steffen-Spiele
Spielerzahl: 2
Alter: ab 8 Jahre
Erscheinungsjahr: 2003
Preis: ca. 15,- Euro

Ein Karton von der Größe eines klassischen Mikado-Spiels verheißt nichts gutes. Ein Verlag, der sein Spiel liebt, steckt es schließlich (zusammen mit ganz viel Luft) in einen Riesenkarton. Denkste. Der Eigenverlag von Steffen Mühlhäuser beweist, dass hervorragende Spiele ohne viel Schnickschnack auskommen – und dabei auch noch super aussehen können.

Ungewöhnliches Material
Man nehme 24 Spielsteine in den Farben schwarz und rot und 7 Bambusstäbe. Mehr nicht. Die Bambusstäbe werden hintereinander zwischen den beiden Spielern ausgelegt, dazwischen kommt je ein Stein jeder Farbe. Der Rest der Steine hinter die jeweilige Grundlinie.
Der Aufbau von Linja wirkt spartanisch. Gleichzeitig strahlt das Spiel vor allem durch die Bambusstäbe eine erhabene Eleganz aus, wie es nur wenige moderne Spiele vermögen. Für ein abstraktes Strategiespiel kein schlechter Anfang, wenn das Material selbst zum Spielen einlädt.

Zug und Folgezug
Es geht bei Linja darum, möglichst viele eigene Steine auf die andere Seite des Spielfeldes zu bringen. Wer an der Reihe ist, führt immer zwei Züge in Folge aus: Zuerst zieht man einen beliebigen eigenen Stein eine Reihe weiter vor. Die Anzahl der Steine in der Zielreihe gibt die Schrittzahl für den zweiten Zug vor. In diesem darf nun wieder ein beliebiger eigener Stein um die eben ermittelte Schrittzahl vorwärts bewegt werden. Landet man also mit dem ersten Zug in einer Reihe mit fünf Steinen, so darf man im zweiten Zug einen beliebeigen Stein fünf Schritte nach vorn ziehen. Da zur Ermittlung der Schrittzahl immer eigene und gegnerische Steine gezählt werden, hat jeder Zug unmittelbare Auswirkungen auf die Bewegungsmöglichkeiten des Gegners. Stets muss man deshalb darauf achten, dem Gegner nicht in die Hände zu spielen und trotzdem den für die eigene Farbe besten Zug zu finden.

Backgammon ohne Ballast
Die eigenen Steine nach Hause bringen, Bewegungen des Gegners beeinflussen, irgendwie klingt das ein wenig nach Backgammon. Und tatsächlich ist das Spielgefühl ähnlich, auch wenn es bei Linja keine Würfel gibt. Hier entscheidet allein der eigene Zug darüber, welche Ausgangsbasis der Gegner in der nächsten Runde vorfindet. Kann man beim Backgammon gerade mal ein Feld blockieren, bietet Linja wesentlich mehr Möglichkeiten der Einflussnahme auf den Gegner. Vor allem im fortgeschrittenen Spiel lässt sich die Zugweite des Gegners sich durch geschickte Züge bisweilen massiv einschränken.

Der Einstieg in Linja gestaltet sich federleicht. Die sehr kurze Regel und die flinke Spieldauer laden zum schnellen Loslegen und nicht so schnell wieder Aufhören ein.


Fazit CTK

Linja fasziniert vom ersten Moment an. Gilt die Aufmerksamkeit zu Anfang noch dem Spielmaterial, so erahnt man recht bald die erstaunliche Spieltiefe, die Steffen Mühlhäuser in der kurzen Regel verbirgt. Trotzdem lässt sich Linja auf sehr verschiedene Arten spielen. Als lockeres Spiel zwischendurch ist es ebenso geeignet wie als knallhartes Grübelspiel bei tickender Schachuhr. Zusammen mit dem schönen Spielmaterial wird daraus eine kleine Perle im Spielregal.


Wertung

Gesamtwertung: sehr empfehlenswert

Einsichtshürde: niedrig
Preis/Leistungs-Verhältnis: okay

Vergleichbare Spiele: -