Fiese Freunde Fette Feten

 


Rezension erschien in der Februarausgabe des kostenlosen PDF-Magazins Gelegenheitsspieler.

Rezension „Fiese Freunde Fette Feten“
Autor Rezension: Henry Krasemann

Spielautoren: Friedemann Friese und Marcel-André Casasola-Merkle
Verlag: 2F Verlag
Spieler: 2-6 Spieler
Preis: ca. 20 Euro
Erschienen: 2005
Ab 16 Jahre

Friedemann Friese gehört zu den Paradiesvögeln der Spieleautoren-Branche. Das nicht, weil er abgehoben wäre. Im Gegenteil ist er es selber, der den ganzen Tag an seinem Messestand geduldig seine Spiele erklärt. Vielemehr haben ihn seine Haare berühmt gemacht. Sie sind grün. Und grün ist auch viel bei den Spielen, die er bei seinem Verlag „2F Verlag“ herausbringt. Hat er früher im kleinen Rahmen Spiele entwickelt und an Interessenten verschickt, sind aktuelle Ausgaben in professioneller Aufmachung in jedem gut sortierten Gesellschaftsspieleladen zu bekommen.
Neben der Farbe Grün hegt Herr Friese eine Vorliebe für den Buchstaben „F“. Nach Fische Fluppen Frikadellen und „Funkenschlag“ 2004 war da „Fiese Freunde Fette Feten“ im Sommer 2005 die logische Konsequenz, das er zusammen mit Marcel-André Casasola-Merkle entwickelt hat.
Das Spiel ist eine moderne Form des „Spiel des Lebens“ für Erwachsene, sieht man davon ab, dass es außer dem Thema nichts mit dem Klassiker aus den 80er Jahren gemein hat. Aufgabe ist es, durch geschicktes Steigern und Absenken einiger Persönlichkeitsattribute wie Religiosität, Alkohol- und Drogenkonsum oder Fettleibigkeit Lebensziele zu verwirklichen.
Hierzu werden Ereigniskarten eingesetzt, die Voraussetzungen wie „Alkohol Stufe zwei, zwei mal Sex und nicht verheiratet“ aufweisen und dann im Ergebnis beispielsweise eine Beziehung intensivieren oder die Gläubigkeit erhöhen. Wer aber dabei eine gewisse Schwelle überschreitet und z.B. zu viel trinkt, der verliert mit einem Schlag ein anderes Attribut, wie etwa seine Intelligenz. Er hat sich dumm gesoffen.
Die Ereigniskarten werden zunächst währen der Pubertätsphase nach und nach verteilt. Später müssen sie mittels Sanduhren ersteigert werden.
Den besonderen Reiz machen nicht nur die witzig gezeichneten und mit viel Phantasie ausgedachten Karten aus. Insbesondere kommt durch die möglichen Liebeleien in einer tolerant aufgestellten Spielerrunde Freude auf. So kann man (im Spiel) untereinander gleich- oder verschiedengeschlechtlichen Sex haben, Beziehungen bis zur Ehe intensivieren und auch wieder zum „Ex“ werden. Das alles nur durch den Einsatz des Plättchen mit dem Telefonhörers, den man pro Mitspieler einmal einsetzen kann. Je nach Lebenssituation werden dann Ereignisse wie Feten oder Bunghiesprünge gemeinsam erlebt. Alles wie im richtigen Leben.
Das ist auch zu beachten an vielen Stellen, an denen einem die Anleitung nicht weiter hilft. Da „Fiese Freunde Fette Feten“ eine, wenn auch nicht ganz ernst gemeinte, Simulation des Lebens von der Jugendzeit bis zum höheren Alter darstellt, können viele Regeln dem wahren Leben abgeguckt werden. Es ist eben auch Tradition bei Friese, dass seine Spielanleitungen ein Abenteuer für sich darstellen. Wer Rätselspiele wie Sudoku mag, der findet auch hieran gefallen. Andere machen sich neben der erwähnten Befragung des gesunden Menschenverstandes im Internet auf die Suche nach Foren wie bei „siedeln.de“ oder „spielebox.de“. Dort helfen auch die Autoren direkt gerne weiter. Die Brettspielgemeinde jenseits des Karstadt-Spiel-des-Jahres-Mainstreams ist auch im Jahr 11 nach Siedler immer noch übersichtlich und familiär.
Hat man die Anfangshürden gemeistert, so macht in möglichst größerer Runde „Fiese Freunde Fette Feten“ immer wieder Spaß. Die Spieler sollten dabei das Spiel auf keinen Fall zu ernst nehmen. Hier ist der Weg das Ziel. Witzig wird es, wenn man lautstark die gerade gemachte Aktion kommentiert. Dann können für wenige Minuten Beziehungen mit Mitspielern eingegangen und wieder gebrochen werden, die in der Realität nie möglich wären. Dass es doch geht, beweisen einem dann Friedemann Friese und Marcel-André Casasola-Merkle. Und das alles nur, weil man das Lebensziel "Beziehungskrüppel" erfüllen muss. (hk)

Für die Kurzanleitung zu dem Spiel siehe auch hier bei Spieltage.de.

Eine überarbeitete Anleitung zum Spiel findet man auf der Seite eines der Autoren: http://www.casasola.de/spiele3/index.php?n=Spielregelprojekt.Regel.