Bison

 


Die Rezension ist erschienen in der November/Dezember 2006-Ausgabe des Magazins Gelegenheitsspieler. Laden Sie die aktuelle Ausgabe jetzt direkt kostenlos herunter.

Autor: Wolfgang Kramer, Michael Kiesling
Verlag: Phalanx Games
Spielerzahl: 2-4
Alter: ab 10 Jahre
Erscheinungsjahr: 2006
Preis: ca. 25,- Euro

Ein schwaches Beben
Wäre der Preis für den blödesten Untertitel nicht schon an Mauerbauer gegangen („Ohne Mauer keine Power„), das neue Werk von Wolfgang Kramer und Michael Kielsling wäre ein heißer Anwärter: „Bison – Die Prärie bebt.„ An sich nicht völlig abwegig, erscheint einem der Verweis auf großangelegte Erschütterungen bei diesem Spiel eher zweifelhaft. Hier bebt überhaupt nichts. Es grübelt höchstens.

Hat da jemand Carcassonne gesagt?
Nach Lektüre der Anleitung schwant dem Rezensenten langweiliges. Plättchen nehmen, Plättchen legen, Gefolgsmänner draufsetzen. Werten. Woher kenn’ ich das bloß? Andererseits: Die Gefolgsmänner heißen hier ja Indianer. Immerhin.

Zum Glück bleibt es dabei nicht, die Ähnlichkeiten zu Klaus-Jürgen Wredes Plättchenlege-Megahit sind eher äußerlich. In Bison führen die Spieler Indianerstämme an und sind bestrebt, für sich die größten Tiervorkommen zu beanspruchen. Dazu wird eine Landschaft stückweise aufgebaut und darin Indianer, Zelte und Kanus verteilt. Am Ende jeder Runde kommt es zur Zwischenwertung und die Spieler erhalten erbeutete Bisons, Truthähne und Fische auf ihr Konto gutgeschrieben.

Pro Runde zieht jeder Spieler ein Gebietsplättchen, dann führen alle abwechselnd vier verschiedene Aktionen aus, darunter das Ablegen des Gebietsplättchens.

Der deutlichste Unterschied zu Carcassonne besteht in der Freiheit, die Plättchen nahezu beliebig anzulegen. Auf jedem Plättchen sind Berg, Fluß und Prärie in veränderlichen Anteilen abgebildet, mit ebenfalls wechselnder Zahl an Tieren. Wer ein Plättchen anlegt, ist nicht gezwungen, abgebildete Landschaften fortzuführen. Vielmehr muss lediglich die geometrische Form beim Anlegen beachtet werden.

Auf dem Plättchen werden dann noch Indianer platziert, dann ist der nächste Spieler an der Reihe. Die Aktionen, die ansonsten zur Verfügung stehen, umfassen die Bewegung von Indianern sowie das Bauen von Zelten und Kanus. Letztere sind für die Bestimmung der Mehrheiten wichtig – Ein Zelt zählt mehr als jeder Indianer. Im Fluss gilt nämliches für Kanus.

Wer keine Zelte, Kanus oder Indianer mehr im Vorrat hat, kann auf dem Markt für immense Summen (bezahlt wird mit Tieren) Nachschub kaufen.

Haben alle Spieler vier Aktionen durchgeführt, erfolgt eine Zwischenwertung. Für jedes zusammenhängende Gebiet wird der Mehrheitseigner bestimmt. Er erhält alle im Gebiet abgebildeten Tiere auf seiner Zählleiste gutgeschrieben. Zweit-, Dritt- und Viertplatzierte erhalten Teile der Herde.

Eher Plätschern denn Beben
So vergehen die ersten Runden, ohne dass man so recht ahnt, wohin es geht. Man setzt Indianer aufs Brett, zieht ein wenig hin und her, um an lukrativen Tiervorkommen der Mitspieler zu partizipieren und erhält am Ende jeder Runde Tiere gutgeschrieben. Allein die letzte Runde ist anders als der Rest. Sind alle Plättchen gespielt, geht’s an die Endwertung. Und hierfür wird zuerst der Tierbestand eines jeden Spielers auf Null reduziert und dann ausgezählt, wer denn wo die meisten Tiere besitzt. Das ist hart und macht deutlich, dass Sparen keine gute Idee ist in der Welt von Bison. Die in jeder Zwischenwertung eingefahrenen Tiere wollen umgehend wieder investiert sein in neue, größere Zelte und Kanus. Denn nur damit kann man sich langfristig Mehrheiten sichern – Und vor der großen Endwertung ist man idealerweise blank.

Bison erschließt sich zögerlich. Die Anleitung gibt sich Mühe, möglichst detailliert zu sein, wirkt dabei jedoch manchmal etwas langatmig. Aber besser so als kurz, knackig und lückenhaft. Das Spiel selbst will in der ersten Partie nicht unbedingt einleuchten, zu sehr sind die meisten Spieler damit beschäftigt, Carcassonne-ähnliche zusammenhängende Gebilde zu bauen und Gefolgsmänner in Gebieten zu horten. Da die Zwischenwertungen stets Tiere zu den noch auf dem „Konto„ befindlichen dazu einbringen, ist es schwierig, die eigene Position und die der Mitspieler einzuschätzen. Mit fortschreitender Spielerfahrung gewinnt die Anfangsphase zwar etwas an Reiz, doch dauert das Spiel für die Spannung, die sich eigentlich erst in der Schlussphase ergibt, eindeutig zu lange. Die Spielgrafik ist dazu noch relativ unübersichtlich, Marker für Kanus uns Zelte recht klein. Der Wiederspielreiz war in unseren Runden daher gering, was für ein Spiel, das sich erst nach mehrmaligem Spielen erschließt, keine gute Ausgangsbasis ist.

Fazit CTK

Bison ist sicherlich kein schlechtes Spiel. Begeisterung vermag es allerdings auch nicht zu erzeugen. Man nehme eine Prise Carcassonne, mische dazu einen Schuss Tikal (übrigens ebenfalls vom Autorenduo Kramer/Kiesling), und fertig ist Bison. Nichts, was man braucht, aber auch nichts, was man unbedingt haben will. Es tut aber auch nicht weh.

Wertung

Gesamtwertung: geht so

Einstiegshürde: mittel
Preis/Leistungs-Verhältnis: mittel

Vergleichbar: Carcassonne, Tikal, Mykerinos