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Die Rezension ist in der April/Mai 2006-Ausgabe des Magazins Gelegenheitsspieler erschienen. Laden Sie die Ausgabe jetzt direkt kostenlos herunter.
Rezension von Christian Krause
Titel: Blue Moon City Autor: Reiner Knizia Verlag: Kosmos Spieler: 2-4 Spieler Spieldauer: 60 Minuten Erscheinungsjahr: 2006 Preis: Ca. 25 Euro
Blue Moon City Die Marketing-Maschine in Sachen Blue Moon scheint beim Kosmos-Verlag im vollen Gange: nach dem Kartenspiel, dem umgehend acht Erweiterungen folgten, erscheinen nun nicht nur „der Roman zum Spiel“ sondern auch ein vollwertiges Brettspiel für bis zu vier Personen. Der Verdacht liegt nahe, dass hier aus dem erfolgreichen Kartenspiel noch schnell der eine oder andere Euro gemacht werden soll.
Blue Moon City kann diesen Verdacht jedoch – zum Glück – recht schnell ausräumen.
Schaffe, Schaffe, Häusle Bauen Wie schon das Kartenspiel, kommt auch Blue Moon City mit einer ebenso umfangreichen wie für den Spielablauf unwichtigen Hintergrundgeschichte daher. Die Kurzfassung: nach dem Krieg beschließen die Völker Blue Moons, ihre Stadt wieder aufzubauen. Dabei werden sie von drei Drachen unterstützt und erhalten Kristalle, die sie ihrem Gott opfern.
Auf dem Spieltisch besteht die zerstörte Stadt aus 21 Gebäudetafeln. Jede besitzt unterschiedlich viele Bauabschnitte, die fertig gestellt sein müssen, bevor das Gebäude komplett ist. „Fertigstellen“ meint hier, mit der geforderten Anzahl Handkarten in der Farbe des Gebäudes zu bezahlen. Ein so erworbener Bauabschnitt wird vom Spieler mit einem eigenen Stein markiert. Sind alle Abschnitte eines Gebäudes abgearbeitet, kommt es zur Wertung. Alle Spieler, die am Bau beteiligt waren, erhalten eine Belohnung in Form von Kristallsplittern. Wer die meisten Bauabschnitte erledigt hat, bekommt noch eine Extrabelohnung oben drauf. Die Kristallsplitter können später dem Gott von Blue Moon geopfert werden, der sinnigerweise auch Blue Moon heißt. Wer als erster eine bestimmte Anzahl solcher Opfer erbracht hat, ist nicht nur pleite, sondern auch Sieger.
Die Karte eines wieder errichteten Gebäudes wird umgedreht und zeigt fortan einen Bonus, der für angrenzende Gebäude gilt. So kann ein noch unbebautes Grundstück, das normalerweise nur zwei Kristallsplitter abwerfen würde, in der richtigen Nachbarschaft schnell sechs Splitter einbringen. Viele Gebäude sind zu Beginn noch wenig lukrativ, wenn sie einzig die direkte Belohnung abwerfen. Je weiter das Spiel voranschreitet und je mehr Gebäude bereits fertig sind, desto höher sind auch die Erträge durch die Nachbargebäude.
Der Spieler mit den meisten Schuppen Keine Sorge, Blue Moon City ist kein Spiel für Leute mit Kopfhautproblemen. Vielmehr sind Schuppen ein weiteres wichtiges Spielelement Dabei spielen Drachen eine entscheidende Rolle. Diese können mit Hilfe von Sonderkarten auf dem Spielfeld bewegt werden. Wer einen Bauabschnitt in einer Stadt beendet, in der gerade einer der drei Drachen weilt, erhält von diesem zur Belohnung eine Schuppe. Eine goldene, wie die Anleitung ausführt. Sind diese alle verteilt, erhält der Spieler mit den meisten Schuppen einen Bonus in Form von Kristallsplittern. In einer Partie kommt es in der Regel zu mehreren solchen Schuppen-Wertungen.
Die Handkarten dienen normalerweise als „Währung“ in Blue Moon City. Die acht vorhandenen Kartenfarben entsprechen den acht Völkern von Blue Moon.. Sieben korrespondieren dabei mit den Farben von Gebäuden. Die achte Farbe ist ein Joker. Zusätzlich zu ihrer Farbe weisen einige Karten Sonderfunktionen auf, wie etwa das erwähnte Bewegen der Drachen. Andere Karten erlauben zum Beispiel, dass der Spieler schneller zu weiter entfernten Bauobjekten kommt oder einen Bauabschnitt mit anderen als den geforderten Farbkarten bezahlt.
Wandern, Bauen, Opfern Im Grunde ist nicht viel dran an den Zugmöglichkeiten in Blue Moon City. Man läuft von Haus zu Haus, versucht Bauabschnitte zu bezahlen und hofft auf fette Erträge. Der Teufel – und damit der Reiz – steckt jedoch mal wieder im Detail. Es ist nicht immer ratsam, in jugendlichem Übermut sofort drauf los zu bauen. Denn die anfangs nur von Ruinen umgebenen Gebäude bringen keine großen Erträge. So ist es zu Anfang ratsam, an möglichst vielen Gebäuden mitzubauen, um später einen Teil der Belohnung zu kassieren. Das eigentliche Fertigstellen des Gebäudes (also das bezahlen des letzten Bauabschnitts) ist dann eher Nebensache.
Durch geschicktes Plazieren der Drachen kann man immer wieder die eine oder andere goldene Schuppe einsammeln. Durch den Bonus für die meisten Schuppen kann man sich oftmals nebenbei einen kleinen Vorsprung bei den Kristallsplittern herausarbeiten. Auch das Opfern der Kristallsplitter will wohldosiert sein. Es hilf wenig, mit einem Sack voller Splitter zum Marktplatz zu laufen, denn pro Runde darf nur ein Opfer erbracht werden. So ist man zu quälendem Nichtstun verdammt, wenn man mehrere Opfer erbringen will oder muss.
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Blue Moon City ist ein erstaunlich ausgewogenes Optimierungsspiel. Die Verwaltung der verschiedenen Mängel (es gibt nie genug Schritte, Handkarten und Kristalle für das, was man tun möchte) macht Spaß und das Spiel gleitet zu keiner Zeit in reine Verwaltungsarbeit ab. Insbesondere der Umstand, dass man nur einen einzigen Bauabschnitt an einem Gebäude erledigt haben muss, um an der Ausschüttung teilzunehmen, garantiert spannende Konflikte. Wer hier nur vor sich hin baut und die Gebäude des Gegners außer Acht lässt, hat schon verloren.
Die Ausstattung lässt ebenfalls keine Wünsche offen. Die Grafik der Gebäudetafeln ist ansprechend und dezent gehalten, so dass auch ein längeres Grübeln über dem Spielplan Freude bereitet. Die Handkarten zeigen die schon aus dem Kartenspiel bekannten Charaktere aus den Federn bekannter Fantasyzeichner. Lediglich der arg überdimensionierte Karton fällt negativ auf. Hier kauft der Kunde einmal mehr 70% Luft. Immerhin passt so das gesamte Blue Moon Kartenspiel mit in die Kiste. Blue Moon City ist relativ einfach zu erklären und dauert gute 60 Minuten. Spätestens nach der ersten Partie ist auch Einsteigern klar, worauf man bei diesem Spiel achten kann und muss. Einer zweiten Partie steht dann eigentlich nichts entgegen.
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Blue Moon City hat außer den Charakteren und der Hintergrundgeschichte wenig mit den Mechanismen des Blue Moon Kartenspiels zu tun. Dennoch kommt es auch hier darauf an, die richtigen Karten zu rechten Zeit zu legen. Dabei existieren zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten, die erkundet werden möchten. Die drei Spielelemente Bauen, Schuppen sammeln und Kristalle opfern wurden sehr gut miteinander verwoben. Die recht ausführliche Anleitung täuscht. Blue Moon City ist eigentlich einfach und in weniger als 20 Minuten erlernt. Selbst nach längerer Spielpause sollte keine all zu große Wiedereinstiegshürde bestehen. Die übersichtliche Spielzeit tut das Ihrige dazu, dass Blue Moon City gerade auch für Gelegenheitsspieler gut geeignet ist. Dabei funktioniert es sowohl in der Minimalbesetzung mit zwei Spielern als auch mit drei und vier Personen. Sicherlich erfindet auch Blue Moon City das Gesellschaftsspielgenre nicht neu. Aber die geschickte Kombination aus Bau-, Sammel- und Kartenspiel funktioniert. Es würde mich nicht verwundern, würde es auf der Auswahlliste zum Spiel des Jahres 2006 stehen.
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