Hart an der Grenze

 


Die Rezension ist in der April/Mai 2006-Ausgabe des Magazins Gelegenheitsspieler erschienen. Laden Sie die Ausgabe jetzt direkt kostenlos herunter.

Hart an der Grenze


Rezension von Henry Krasemann

Verlag: Kosmos
Autoren: André Zatz und Sergio Halaban
Spieler: 3-6
Ab 10 Jahren
Spieldauer: ca. 60 Minuten
Preis: ca. 25 Euro
Erscheinungsjahr: 2006

Nichts für eine ehrliche Haut
Die Zunft der Zöllner dürfte von dem neuen Kosmos-Spiel „Hart an der Grenze“ nicht sehr erbaut sein. Ist hier doch Willkür, Bestechlichkeit und Unterschlagung die Regel und der Schlüssel zum Erfolg. Aber auch auf Seiten der Touristen hat der Ehrliche keine Chance. Nur wer schmuggelt macht Geld. Wer es schafft, mit der Miene einer Mutter Theresa einen Koffer voller Zigarren, Tequila und Statuen als einfache Krüge durch die Kontrolle zu schleusen, wird am Ende Gewinner werden.

Pokerface
„Hart an der Grenze“ ist ein Bluff-Spiel. Es gibt keine Würfel, Spielfiguren oder ein Spielbrett – nur Koffer, Schmuggelware und Geld. In jeder Runde werden Waren in Form von Karten in den Koffer gelegt. Danach darf jeder angeben, was er angeblich eingepackt hat. Der Sheriff sucht sich sodann einen Mitspieler aus, dem er am wenigsten seine Zollerklärung glaubt und bittet zur Kofferöffnung. Wer so beim Schmuggeln ertappt wird, muss Strafe zahlen. Es sei denn, er schafft es, mit frei ausgehandelten Bestechungsgeldern den Sheriff zum Verzicht auf den Blick auf die Waren zu bewegen. Danach wechselt die Rolle des Sheriffs reihum. Immer mal wieder können die so geschmuggelten Waren in Geld umgetauscht werden. Wer das Risiko liebt, kann dabei einige Gegenstände zurückhalten und auf den großen Reibach am Ende des Spiels hoffen, wenn sich die Preise für Schmuggelwaren verdoppeln. Doch nur besonders dreiste Schmuggler haben darauf eine Chance.

Ein Traum in Blech
So einfach zwar das Spielprinzip von „Hart an der Grenze“ ist, so liebevoll ist jedoch die Ausstattung. Herausragend sind die sechs kleinen Blechkoffer, in die die Spieler ihre geschmuggelten Waren legen können. Auch der Sheriff-Stern, den man sich anheften kann, sorgt für Erheiterung. Taktisch kommt es darauf an, durch den geschickten Wechsel zwischen ehrlicher Warendeklaration und dreistem Schmuggel um Kontrollen herumzukommen. Wegen des gelegentlichen Aufdeckens der eigenen Machenschaften kann es sinnvoll sein, die Taktik ab und an zu wechseln. Auch gilt es die Mitspieler im Auge zu behalten, um bei der Endwertung durch zu hohes Pokern nicht leer auszugehen. Wer Sheriff wiederum ist, kann versuchen, durch geschicktes Aushandeln der Bestechungsgelder seine eigene Position zu stärken.


Fazit HK:

Wer gerne pokert oder das Spiel „Bluff“ (Spiel des Jahres 1993) mag, hat auch an „Hart an der Grenze“ seine helle Freude. Dabei ist es jedem selber überlassen, wie er es schafft, die anderen zu täuschen. Da man ständig zumindest damit beschäftigt ist, durch unschuldiges Aussehen von sich abzulenken, kommt nie Langeweile auf. All zu große taktische Tiefe sollte man nicht erwarten. Wer lieber Spiele spielt, bei denen man jeweils für sich am richtigen Zug feilt, ist bei „Hart an der Grenze“ falsch. Auch sollte man genügend Mut aufbringen können, dreist zu lügen. Wer hieran Spaß hat, findet mit „Hart an der Grenze“ ein ideales Spiel mit viel Kommunikation und dem einen oder anderen Lacher. Das einfache Spielprinzip ermöglicht es, schnell auch mit neuen Gruppen einzusteigen.
Allerdings sollte man Spiel und Realität unterscheiden können. Kommen Sie im Überschwang der Spielgefühle nicht bei Ihrer nächsten Reise auf die Idee, Tequila als Sombreros zu deklarieren.(hk)


Fazit CTK

Viel ist es nicht, was man zu tun hat im neuen Bluff-Spiel von Kosmos. Koffer packen, sagen was drin ist und fertig. Das Spielmaterial mit seinen sechs Metallkoffern ist hübsch anzusehen, man wird aber das Gefühl nicht los, dass hier eine relativ kleine (und gar nicht mal so neue) Spielidee ziemlich aufgeblasen wird. Trotzdem ist Hart an der Grenze ein stimmungsvolles Spiel für lockere Runden. Wer sich gern in Planungen verliert, ist hier allerdings fehl am Platze. Denn eigentlich hat man kaum Handlungsmöglichkeiten. Entscheiden, wie viele seiner sechs Karten im Koffer landen oder als Sheriff einen Mitspieler herausgreifen und filzen. Das war's auch schon. Leider gibt es kaum Anhaltspunkte, um das Vorgehen für weitere Durchgänge zu planen. Wer einen Koffer heil über die Grenze trägt, muss nicht offenbaren, was drin war. Das macht es vor allem in größeren Gruppen schwierig, die Spieler einzuschätzen. Wer gern seinen Mitspielern tief in die Augen sieht um zu ergründen, ob sie die Wahrheit sagen, kann allerdings bedenkenlos zugreifen. Erst recht, wenn man Spaß an szenischem Spiel hat: Wer sich wirklich als Sheriff und Schmuggler gegenüber tritt, wird an Hart an der Grenze wesentlich mehr Spaß haben. „Willkommen an der Grenze, meine Freunde...“


Wertung

Gesamtwertung: 1- (sehr gut)
Gelegenheitsspielertauglichkeit: 1- (sehr gut)