Mauerbauer

 


Die Rezension ist in der April/Mai 2006-Ausgabe des Magazins Gelegenheitsspieler erschienen. Laden Sie die Ausgabe jetzt direkt kostenlos herunter.

Rezension von Christian Krause

Titel: Mauerbauer
Autor: Leo Colovini
Verlag: Hans im Glück
Spieler: 2-4 Spieler
Spieldauer: 45 Minuten
Erscheinungsjahr: 2006
Preis: Ca. 29 Euro

Mauerbauer
Auf den Titel „Spiel des Jahres“ schielen viele. Das neue Spiel aus dem Hans-im-Glück-Verlag hat jedoch nicht nur darauf Ambitionen, sondern ist nebenher auch ein heißer Kandidat für den dämlichsten Untertitel des Jahres: Mauerbauer – Ohne Mauer keine Power

Niemand (Jeder) hat die Absicht, eine Mauer zu bauen!
Wer Mauerbauer auspackt, entdeckt zweierlei: Einen handfesten Klebstoffgeruch Marke „Uhu-Konzentrat“ und eine beeindruckende Menge an Holzsteinen. Mauern, Türme und Häuser liegen da, über 140 Teile. Rein materiell gesehen haben wir es hier also mit einem recht guten ROI (Return on Invest) zu tun. Spielerisch fällt zuerst einmal die recht kurze Anleitung ins Auge, die auf sechs illustrierten Seiten die Regeln erklärt. Einem raschen Einstieg ins Spiel steht also nichts im Wege.

Das Spielfeld zeigt eine grüne Landschaft, über die ein Gitter aus Dreiecken gelegt ist. Ähnlich wie bei Carcassonne geht es hier darum, Gebiete abzuschließen und dadurch Wertungen auszulösen. Zu Beginn erhält jeder Spieler sechs sogenannte Gildenkarten, man könnte sie auch als „Auftragskarten“ bezeichnen. Reihum werden nun Mauersteine, Türme und Häuse auf dem Feld plaziert. Immer, wenn durch die Mauern ein geschlossenes Gebiet entstanden ist, wurde eine Stadt gegündet und es kommt zu einer Wertung. Dann legen die Spieler ein bis zwei Ihrer Auftragskarten ab und erhalten dafür Punkte, sofern die aufgedruckte Bedingung erfüllt ist.

Stein an Stein...
Generell existieren drei Typen von Spielsteinen: Mauern, Türme in schwarz, weiß oder grau und Häuser in fünf quietschebunten Farben (selbstverständlich auch rosa). Wer an der Reihe ist, schnappt sich ein Mauerstück und legt es auf eine beliebige Linie des Dreiecks-Netzes. Dann wird mit einem Würfel eine Turmfarbe ermittelt und ein entsprechender Turm am Ende der Mauer plaziert. Mit zwei weiteren Würfeln werden dann Häuserfarben bestimmt. Diese beiden Häuser werden dann links und rechts der Mauer aufgestellt, je eines auf einer Seite. Das war's: Mauer legen, Würfeln, Türme und Häuser setzen – fertig. Der Mechanismus der Farbwürfel zur Bestimmung von Baumaterial erinnert entfernt an Carolus Magnus, das nicht ganz zufällig auch aus der Feder von Colovini stammt. Allerdings wirkt die Mauerbauerei im Vergleich deutlich weniger abstrakt, so dass das Spiel auch für Familien geeignet ist.

Die Gilden- oder Auftragskarten enthalten die unterschiedlichsten Bedingungen. Da erhält man Punkte für alle roten Häuser in einer Stadt oder für alle weißen Türme, die in der Stadtmauer verbaut wurden. Aber auch Karten für das Umland gibt es. Hier kann man Punkte für freistehende Häuser oder Türme ergattern, die (noch) zu keiner Stadt gehören. So sind an jeder Wertung immer alle Spieler aktiv beteiligt. Tatenlos zusehen muss man bei Mauerbauer selten.

Wer eine Stadt geschlossen hat, darf sie mit einer direkt angrenzenden Stadt verbinden, indem er die Mauern dazwischen entfernt. Dieser Zug ermöglicht es, bereits an einer Wertung beteiligte Gebiete erneut zu zählen und kann durchaus spielentscheidend sein.

Ebenso entscheidend ist natürlich das Vorhandensein passender Auftragskarten. Wer die falschen Karten auf der Hand hat, kann mitunter keine oder nur sehr wenig Punkte machen. Um dies zu verhindern, darf der Spieler, der nach einer Wertung am weitesten hinten liegt, beliebig viele Handkarten ablegen und neue nachziehen. Dies bedeutet einen nicht zu unterschätzenden Vorteil und verhindert, dass Spieler mit Kartenglück von Anfang an uneinholbar davon ziehen.

Da alle Spieler verschiedene, mitunter gegensätzliche Ziele verfolgen, kommt es regelmäßig zu Behinderungen. Dies ist, wie so oft, im Vier-Personen-Spiel eher der Fall als zu zweit. Oft ist es wichtig zu erahnen, was ein Mitspieler bauen will, um hier gezielt Eingreifen zu können. Das erfordert jedoch eine recht gute Kenntnis der verfügbaren Auftragskarten.

Der Glücksfaktor ist nicht bestimmend, macht aber ein weitsichtig strategisches Vorgehen schnell zunichte. Spieler mit einer ausgeprägten Aversion gegen Würfel sollten also vorsichtig sein. Gleichwohl hat man nie den Eindruck, dem Würfel ausgeliefert zu sein. Ähnlich dem bereits angesprochenen Carolus Magnus ist man allerdings stets aufs neue gezwungen, seine Pläne zu überdenken – und gegebenenfalls umzuwerfen.

Ein kleiner Designfehler hat sich leider bei Mauerbauer eingeschlichen: Auf dem Spielplan sind drei Gebiete gekennzeichnet, die für bestimmte Auftragskarten relevant sind. Die Grenzen dieser Gebiete verschwinden allerdings, wenn man Mauern darauf legt. Es empfiehlt sich daher, Mauern auf den betreffenden Grenzen einfach auf die Seite zu kippen. So kann man den Grenzverlauf auch im fortgeschrittenen Spiel noch nachvollziehen. (ctk)


Fazit CTK

Viel Spaß auf der Mauer
Mauerbauer ist leicht zugänglich und flott gespielt. Die Regeln lassen keine Fragen offen und die Mischung aus Planung und Würfelglück ist so reizvoll, dass auch Vollblut-Strategen zumindest einen Blick riskieren können. Allerdings braucht es eine Weile, bis man sich einen Überblick über die vorhandenen Auftragskarten verschafft hat und somit einschätzen kann, was die Mitspieler eigentlich vorhaben. Mauerbauer überzeugt mit liebevoll gestaltetem Spielmaterial und guter Zugänglichkeit. Ein gutes, wenn nicht sogar ein sehr gutes Spiel – nicht nur für Familien.


Wertung

Gesamtwertung: glatte 1 (sehr gut)
Gelegenheitsspielertauglichkeit: glatte 1 (sehr gut)