Monopoly FIFA WM 2006 Edition

 


Die Rezension ist in der April/Mai 2006-Ausgabe des Magazins Gelegenheitsspieler erschienen. Laden Sie die Ausgabe jetzt direkt kostenlos herunter.

Rezension Monopoly FIFA WM 2006 Edition

Rezension von Henry Krasemann

Spielautor: Elizabeth J. Magie / Elizabeth Magie Philips / Charles B. Darrow
Verlag: Parker Brothers
Spieler: 2-6
Ab 8 Jahre
Spielzeit: 90 Minuten bis 3 Stunden
Preis: ca. 49 Euro
Erscheinungsjahr: 2006

Das Spiel des Jahrhunderts
Monopoly dürfte das berühmteste Spiel im 20. Jahrhundert gewesen sein. Um so erstaunlicher, dass die Entwicklungsgeschichte bis heute unklar ist. Erste Entwürfe stammen nach einer Theorie von Elizabeth J. Magie bzw. Elizabeth Magie Philips aus dem Jahr 1904. Bei der Firma Parker Brothers erschien 1935 offiziell das erste Monopoly-Spiel. Als Autor wurde jedoch Charles B. Darrow angegeben, der angeblich das Spiel im Alleingang einige Jahre vorher entwickelt hatte. Für Herrn Darrow war es der Weg vom arbeitslosen Heizungs-Installateur zum Millionär. Die Welt hingegen kaufte fleißig Hotels, gewann Schönheitswettbewerbe und ging direkt in Gefängnis ohne 2000 Mark einzuziehen. In Deutschland erschien Monopoly mit Straßennamen von Berlin 1936, um dann nach den Wirren des Krieges 1953 mit neutralen Namen neu auf den Markt zu kommen.
Seit dem sind zahllose Varianten erschienen. Neben Länder und Städteversionen gab es unter anderem Monopoly-Spiele zu Der Herr der Ringe, Star Wars alt und Episode 1, Duel Masters, FC Bayern München, Disney, Shrek 2 und Pokemon. Auch ein Spiel aus Schokolade und Kartenspiele sind erschienen. Nachdem auch schon 1998 eine WM-Edition in Deutschland erschienen war, durfte natürlich auch die FIFA WM 2006 nicht ohne Monopoly-Spiel bleiben.

Der Würfel ist rund?
Am Spielprinzip von Monopoly hat sich nichts geändert. Abwechselnd wird jeweils die eigene Spielfigur mittels Würfeln über den Spielplan gehetzt. Was beim Ur-Monopoly die Straßen waren, sind bei der FIFA-Edition 22 der an der WM teilnehmenden Länder. Die Länder sind in der Reihenfolge ihrer FIFA-Ränge angeordnet. Deutschland ist dabei, wenn auch nur auf einem Mittelplatz. Wer auf einem Land mit seiner Figur landet, kann die entsprechende Mannschaft erwerben. Andere Spieler, die später auf dem Feld landen, müssen dann Miete an den Besitzer zahlen. Sollten Tribünen (früher Häuser) oder sogar ein Stadion (früher Hotel) darauf errichtet worden sein, wird es teurer. Einige Ereignisfelder mit Trainerkarten und Schiedsrichterkarten bringen Abwechslung ins Geschehen. Statt des Bankirrtums finden sich dort Homestories von Boulevard-Magazin, die Geld einbringen oder auch Zahlungen verlangen. E-Werk und Wasserwerk mussten Sponsorenfeldern von Telekom und Mc Donalds weichen. Der Mietpreis richtet sich hier nach der gewürfelten Augenzahl. Und statt Bahnhöfen können bis zu vier Austragungsorte erworben werden.
Um dem Szenarium gerecht zu werden, wurden die sechsseitigen Würfel durch zwölfseitige ersetzt, die an Fußbälle erinnern. Die Spielfiguren sind aus Zink und stellen fußballtypische Motive wie Ball, Torwart oder Fußballschuh dar.

Das Spiel dauert 90 Minuten?
Die FIFA-WM-Edition von Monopoly spielt sich gleich dem Urspiel. Die Regeln haben sich in keiner Weise geändert. Dabei haben sich über die Jahr zahlreiche Varianten entwickelt, die natürlich auch hier angewendet werden können. Wer auf Los zum Stehen kommt, kann natürlich nach Absprache weiterhin den doppelten Lohn bekommen. Dabei sind die Summen inzwischen mehr der Hartz IV-Realität angepasst worden. Wer über Los zieht, erhält nur 200 Euro als Lohn. Dafür gibt es die brasilianische Mannschaft aber auch schon für 400 Euro und die Deutsche für 180 Euro, was wiederum 30 Euro mehr ist, als man für Mc Donalds zahlen muss.
Die schon früh aufkommende Kritik an Monopoly zielte auf dessen sehr kapitalistischen Spielziel. Gewinner wird, wer alle anderen Spieler in den Bankrott treibt. Und das kann dauern. Ein Partie Monopoly kann gut und gerne mehrere Stunden dauern. Wer während dessen wegen Geldmangels ausscheidet, ist für längere Zeit zum Zuschauen verdammt. Wer das verhindern möchte, sei auf die Spielvariante „Monopoly auf Zeit“ verwiesen, bei der einfach eine festgelegte Zeit gespielt und anschließend das Geld gezählt wird.
Die taktischen Möglichkeiten halten sich bei Monopoly in Grenzen. Zu viel hängt vom Würfelglück ab. Doch immerhin kann mittels Verhandlungsgeschick á la Siedler von Catan in der Zwischenphase versucht werden, ganze Straßenzüge... Verzeihung... Ländergruppen zu erwerben.


Fazit HK

Monopoly heute zu bewerten grenzt an eine Unmöglichkeit. Viele verbinden damit Kindheitserinnerungen und je nach dem, wie diese erste Erfahrungen mit Pöppel, Würfel, Geld und Gefängnis aussahen, hasst oder liebt man das Spiel. Wie bei Mensch-Ärgere-Dich-Nicht hängt das meiste davon ab, mit Glück auf den richtigen Feldern zu landen. Wer da in den ersten Runden Pech hat und zu wenig lukrative Grundstücke bzw. Mannschaften erwirbt, hat schlimmsten Falls einige sehr langweilige Stunden vor sich. Andererseits sind die Regeln schnell verstanden und die diebische Freude, wenn ein Mitspieler auf einer voll ausgebauten Schlossallee bzw. Brasilien landet, kennt nur, wer Monopoly kennt. Wie bei vielen Sondereditionen von Monopoly, so wirkt auch hier das Szenarium der WM eher aufgesetzt. Immerhin verleitet es zu dem einen oder anderen witzigen Spruch der Mitspieler, wird es mit der Diskussion über den potentiellen kommenden Weltmeister begleitet. Die Ausstattung ist mit den Zinkfiguren ordentlich, auch wenn der Preis von knapp 50 Euro wohl eher dem Lizenzmodell der FIFA geschuldet ist. Für den Preis bekommt man auch schon die Banking Version, bei der bargeldlos mit VISA-Kreditkarten an einem mitgelieferten Terminal bezahlt wird.
Monopoly ist und bleibt ein Klassiker, der auch heute immer wieder in der richtigen Runde Spaß machen kann. Wenn es einer WM-Edition bedarf, diese Lust neu zu wecken, warum nicht?


Fazit CTK

Gemessen an aktuellen Brettspielen ist Monopoly eigentlich ein Witz. Ohne den Nimbus des Klassikers bleibt ein Würfelspiel, das in seinem Anspruch nur knapp über Mensch-Ärger-Dich-Nicht liegt. Da helfen auch die zahlreichen Varianten nichts, die der Würfelei stets zeitgeistige Kostüme überwerfen. Käme heute ein Spiel mit dem gleichen Mechanismus, nur ohne den zugkräftigen Namen auf den Markt – es würde wohl ein Ladenhüter. Wer reine Würfelspiele mag und zudem Fußballfan ist, mag einen Blick auf den Klassiker im Fifa-Gewand werfen. Für alle anderen gibt es für den geforderten Preis weit interessantere Spiele.


Wertung

Gelegenheitsspielertauglichkeit: 2 (gut)
Gesamtwertung: 1 bis 6