Mykerinos

 


Die Rezension erscheint in der August/September 2006-Ausgabe des Magazins Gelegenheitsspieler. Laden Sie die aktuelle Ausgabe jetzt direkt kostenlos herunter.

Rezension von Christian Krause

Verlag: Ystari / Huch and Friends
Autoren: Nicolas Oury
Spieler: 2-4
Ab 10 Jahren
Spieldauer: ca. 30-60 Minuten
Preis: ca. 20 Euro
Erscheinungsjahr: 2006

Der ägyptische Pharao Mykerinos errichtete die kleinste der drei Pyramiden von Gizeh. Das Spiel, das hier seinen Namen trägt, kommt ebenfalls in einer relativ kleinen Schachtel daher. Mehr Ähnlichkeiten lassen sich dann allerdings aus dem Namensgeber nicht pressen. In Nicolas Ourys Mykerinos dreht sich alles um archäologische Ausgrabungen in Ägypten. Thematisch ist das spätestens seit Tikal nichts neues mehr, aber immerhin angenehm anders als all die Mittelalter-Szenarien mit Rohstoff-Handel, die einem sonst auf den Spieltischen begegnen.

Mehrheiten, Mäzene und Museen
Vor den Spielern liegt eine Wüstenlandschaft, in der es Archäologen zu plazieren gilt. Wer später in vordefinierten Gebieten der Wüste die Mehrheit an Archäologen stellt, darf zur Belohnung ein Wüstenplättchen an sich nehmen oder im fernen Museum die besten Plätze für die Ausstellung reservieren.

Eben diese Belohnungen stellen das große Dilemma für die Spieler dar. Die Wüstenplättchen tragen auf der Rückseite das Bild je eines Kunst-Mäzens, dessen Hilfe der Besitzer fortan in Anspruch nehmen darf. Nimmt man also solch ein Plättchen, hat man im weiteren Spielverlauf einen steten Vorteil gegenüber den Mitspielern. Allerdings sind diese Plättchen in der Endabrechnung nur einen einzigen Punkt wert. Wer hingegen beizeiten die richtigen Räume im Museum besetzt hat, kann den Wert seiner Mäzenkarten leicht verfünffachen. Dummerweise muss man, um einen solchen Raum zu besetzen, auf das Nehmen einer Mäzenkarte verzichten. Es will daher schon sehr genau überlegt sein, welche Belohnung man sich für eine errungene Mehrheit nimmt. Mäzenkarten allein nützen ebenso wenig wie lukrative Räume im Museum. Nur beides zusammen bringt wirklich Punkte.

Das Spielmaterial ist angenehm dezent gestaltet, durch die Wüstengrafiken wirkt alles bisweilen etwas trist. Jedoch sind die Anzeiger für die errungenen Siegpunkte für die vorhandene Zählleiste deutlich zu groß und stören sich – vor allem bei vier Spielern – gegenseitig. Wer allerdings auf die Idee gekommen ist, die gesamte Anleitung mit ägyptischen Hieroglyphen zu hinterlegen, gehört im Wüstensand vergraben. Die Anleitung liest sich dadurch unnötig schwer, und hübsch sieht es auch nicht aus. Überhaupt scheint Ystari beim Erstellen seiner Anleitungen wenig Sorgfalt walten zu lassen. Nachdem schon in der Caylus-Regel ein Spielelement fehlte, fallen einem auch bei Mykerinos Plättchen entgegen, die man ohne Anleitung zuordnen muss. Es handelt sich 50er-Scheiben, die offensichtlich beim erfolgreichen Umrunden der Zählleiste zum Einsatz kommen sollen. Ansonsten kommt die Anleitung gewohnt sachlich daher und man ist beim Spielen wieder einmal erstaunt, dass vieles einfacher ist als es klingt. Mit der Regelqualität von Alea kann sich Ystari jedenfalls bislang noch nicht messen. Das sollte ein Ansporn sein.

Beim Spiel zu zweit kommt eine dritte neutrale Farbe hinzu, deren Steine von beiden Spielern je zur Hälfte benutzt werden. Daher ist das Zweierspiel deutlich aggressiver, da man hier nicht nur wertvolle eigene Steine zur Verfügung hat, sondern eben auch neutrale, die sich nach Herzenslust für Blockaden einsetzen lassen. (ctk)

Fazit

Im Vergleich zu Caylus ist das neue "kleine" Spiel aus dem Hause Ystari geradezu leichte Kost. Trotzdem ist der neue Wurf der Franzosen ein rundum gelungenes "leichtes Strategiespiel". Mykerinos kaschiert recht gut, dass es sich dabei eigentlich um ein relativ abstraktes Mehrheitenspiel handelt. "El Grande Light" könnte man meinen, und läge damit im positiven Sinne richtig. Mykerinos spielt sich leicht, auch wenn die Feinheiten, insbesondere der verschiedenen Mäzene, in den ersten Partien nicht unbedingt offensichtlich sind. Der Wiederspielreiz ist auch deshalb recht hoch. Dabei lebt Mykerinos von den unbequemen Entscheidungen, die die Spieler fortwährend treffen müssen. Wann man lieber ins Museum setzt, anstatt einen Mäzen zu nehmen, ist die große Frage, und den richtigen Zeitpunkt zu treffen das zu lösende Problem. Besonders das Spiel zu zweit unterstreicht die taktischen Möglichkeiten, die Mykerinos bietet, auch wenn man ab und an die spannende Enge auf dem Brett des Vierer-Spiels vermisst. Der Glücksfaktor ist vernachlässigbar, so dass Mykerinos auch für eingefleischte Strategiefans einen Blick wert ist.

Wertung

Gesamtwertung: 2+ (gut)
Gelegenheitsspielertauglichkeit: 2+ (gut)