Haste Bock?

 


Die Rezension erscheint in der Januar/Februar 2007-Ausgabe des Magazins Gelegenheitsspieler. Laden Sie die aktuelle Ausgabe jetzt direkt kostenlos herunter. Außerdem ist die Rezension für das Spiele-Jahrbuch 2006 vorgesehen. Jetzt Informieren.

Rezension Haste Bock?

Autoren: The Lamont Brothers
Verlag: Zoch
Spieler: 2 bis 4
Alter: ab 10 Jahre
Dauer: ca. 45 Minuten
Preis: ca. 25 Euro
Erscheinungsjahr: 2006

Es gibt Spiele, die muss man einfach gerne haben. Dazu gehören sicherlich solche, bei denen einem Schafe so herzerweichend anlächeln, wie die auf der Packung zu „Haste Bock?“ von den Lamot Brüdern. Und wir sind wohl nicht die einzigen, die so denken. 2005 war das Spiel „Shear Panic“ eines der Geheimtipps der Spielemesse in Essen. Das Re-Make vom Zoch-Verlag mit besagten Comicschafen war laut einer Pressemitteilung des Verlags dieses Jahr in Essen ausverkauft. Der Gelegenheitsspieler hat versucht, diesem Charme zu widerstehen und objektiv zu testen. Ob dies gelungen ist, lesen Sie hier.

Ramm das Schaf
Auf einem schachbrettartigen Spielplan werden 9 Schafe aufgebaut und sodann mittels mehrerer Würfelwürfe ein wenig durcheinander gebracht. Jeder Spieler betreut sodann zwei Scharfe seiner Farbe. Hierzu hat man zwölf Spielkarten zu Verfügung, die unterschiedliche Aktionen darstellen. Wer an der Reihe ist, spielt als erstes eine dieser Karten aus und führt die Aktion aus. Damit können eigene oder fremde Schafe bewegt, gedreht, übersprungen oder gar gerammt und damit beiseite geschoben werden. Ja nach Spielphase gibt es entweder am Ende des eigenen Zuges oder an bestimmten Wertungsstellen Punkte. So gliedert sich das Spiel in vier hintereinander folgende Phasen. Zunächst gilt es, seine beiden Schafe möglicht eng zueinander zu führen. Danach stellt man Roger („Der Bock, der weiß, was Schafe wollen“) an den Spielfeldrand. An Wertungsstellen gibt es nun Punkte dafür, ihm besonders nah zu sein. In Phase drei muss die Nähe zu Thea, dem schwarzen Scharf auf dem Spielbrett gesucht werden. Und schließlich in der Endphase sollte vor Jacques, dem Frisörschaf, das Weite gesucht werden. Je nach ausgespielten Aktionskarten wird der Zeitstein und damit der Phasenlauf beeinflusst. Und wer am Ende die meisten Punkte hat, hat die „spielerische Schererei“ (Untertitel des Spiels) gewonnen.
Wird mit weniger als vier Spielern gespielt, werden die Karten der unbeteiligten Schafe an die Spieler verteilt und dienen einzig dazu, den Zeitstein zu beschleunigen.

Scharfstrategie
Man sollte sich von der niedlichen Aufmachung nicht täuschen lassen. „Haste Bock?“ ist ein robustes Strategiespiel. Je nach Spielphase sind unterschiedliche Taktiken gefragt. Gilt es in Phase eins und drei noch einzuschätzen, ob man ggf. sogar durch Ausspielen von Karten mit geringer Zeitstein-Weite ein weiteres Mal werten kann, sind in Phase zwei und vier die Abstände zum nächsten Wertungspunkt zu beachten. Insbesondere die Karte „Herdentrieb“, die sämtliche Schafe inkl. Roger oder Jacques um 90 Grad verdrehen, können eine Stellung maßgeblich verändern. Wer vor der Drehung noch einen hinteren Platz inne hatte, kann sich plötzlich ganz vorne wieder finden - und umgekehrt. Da jede Karte aber auch nur einmal im Spiel eingesetzt werden kann, will deren Einsatz gerade in der Anfangsphase gut überlegt sein. Und wird willentlich oder unwillentlich eines der „Schafpanik“-Felder erreicht, kann auch dieses überraschende Stellungsänderungen mit Hilfe des Würfels bewirken.


Fazit

„Haste Bock?“ punktet vor allem mit seiner Ausstattung. Das Spiel wäre auch in abstrakter Form mit ein paar bunten Plättchen auf einem Schachbrett als Halma-Variante spielbar, würde dann jedoch bei weitem nicht so motivierend sein. Die vier Phasen bringen erfreuliche Abwechslung ins Spiel und zwingen zum öfteren Umdenken. Und die zahlreichen Zwischenwertungen ermöglichen eine gewisse Übersichtlichkeit, ohne zu viele Schritte in die Zukunft planen zu müssen. Alle paar Minuten ergibt sich eine neue Chance in die Punkte zu kommen.
Dennoch hat „Haste Bock?“ auch Längen. Beim Spiel zu Viert müssen meist gerade noch erträgliche Wertezeiten überbrückt werden. Das Vorausplanen wird im Viererspiel schwieriger als im Spiel zu zweit oder dritt, da zu viele Veranderungen der Schafstellungen, einschließlich der zufallsgesteuerten „Schafpanik“, Strategien wieder zerstören können. Gerade in den kurzen Phasen eins und drei kann es sein, dass einzelne Spieler kaum Chancen haben, vernünftige Wertungen zu erreichen. Zum Glück muss dieses jedoch noch nicht spielentscheidend sein.
Die zwar fröhlich-bunte, aber etwas verworrene Anleitung verlangt Einarbeitungszeit und ist an einigen Stellen verwirrend unpräzise. Ca. 30 bis 45 Minuten braucht man, um die verschiedenen Aktionen einigermaßen begriffen zu haben und ihre Wirkung auf das Spielgeschehen zumindest grob einschätzen zu können.
„Haste Bock?“ ist ein nettes Strategiespiel mit toller Optik und durchschnittlichem Spielspaß. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.


Wertung

Gesamtwertung: ordentlich (4)

Einstiegshürde: mittel (in 30-45 erfasst)
Preis/Leistungs-Verhältnis: mittel

Vergleichbare Spiele: Halma und Dame (optisch weit schlichter)


Quelle Fotos: Zoch-verlag.de